Bürgerwind Welbergen
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Informationen aus dem Pressebericht vom 11.03.2017

Thema "SCHALL"

Nie mehr als 45 Dezibel Schallimmission: Genehmigung ist an viele Auflagen geknüpft / Sicherheitszuschläge

Das Genehmigungsverfahren für die geplanten und mittlerweile auch genehmigten Windkraftanlangen im Ortsteil Welbergen war langwierig und sehr aufwendig. Mehrere Jahre vergingen, ehe die Geschäftsführer der Bürgerwindpark Welbergen GmbH & Co. KG vom Kreis Steinfurt die Zusage erhielten, im Mohringhook und im Schweringhook jeweils zwei Windkraftanlagen zu errichten.

Doch was sind das eigentlich für Anlagen? Und was hat kommt auf die Anwohner in Langenhorst und Welbergen zu?
Einer, der darüber bescheid weiß, ist Marcel Schwarte. Der 29- Jährige ist Sachbearbeiter im Umwelt- und Planungsamt des Kreises Steinfurt. „Grundsätzlich müssen zu jeder Anlage Schallimmissionsgutachten eingereicht werden“, erklärt Marcel Schwarte.

Sämtliche Anlagen dürfen einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten. Im Außenbereich sind das am Tag 60 Dezibel und in der Nacht 45. In Wohngebieten dürfen tagsüber maximal 55 und nachts 40 Dezibel erreicht werden. „Außerdem dürfen die Windkraftanlagen nicht tonhaltig sein“, erklärt Marcel Schwarte.
Das bedeute, aus dem Geräusch, das eine solche Anlage erzeugt, dürfe kein Ton herausstechen. Etwa ein Piepen, Knacken oder Quietschen. „Das wäre nicht zulässig“, erklärt der Experte. Ausgenommen ist in diesem Zusammenhang übrigens das typische „Wusch“-Geräusch, das die Rotorblätter beim Durchschneiden der Luft erzeugen.

Mittlerweile statten die Hersteller ihre Anlagen aber mit speziellen Kämmen an den Rotorblätterspitzen aus. Diese sorgen dafür, dass es statt einer großen mehrere kleine und damit leisere Luftverwirbelungen gibt. Auch die Anlagen in Welbergen sollen diese Vorrichtung bekommen.

Sie laufen Tag und Nacht unter Volllast, wobei nachts einer schallreduzierter Betrieb gefahren werde. Es sei sichergestellt, dass sie dabei die vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten, betont Marcel Schwarte. Außerdem werde ein Sicherheitszuschlag eingerechnet. Dieser liegt bei 2,5 Dezibel. „Das klingt erst einmal wenig“, weiß der Experte. Er gibt aber zu bedenken, dass eine Verdopplung der Anlagenstärke eine Erhöhung um drei Dezibel bedeuten würde. Eine Verdopplung der Lautstärke würde, subjektiv empfunden, erst bei zehn Dezibel erreicht werden. „Da kann man für die Anlagen in Welbergen auf der sicheren Seite sein“, betont Marcel Schwarte.

Nach der Inbetriebnahme der Anlangen erfolge zudem eine Vermessung. Gegebenenfalls müsse dann noch nachgeregelt werden. In der Baugenehmigung selbst sind für den Schweringhook 14 und für den Mohringhook 20 Immissionsorte – sprich Häuser – aufgeführt. „Alle anderen Häuser sind dadurch abgedeckt“, erklärt Marcel Schwarte. Der Abstand für sie sei größer und dadurch der Schall gleich, beziehungsweise geringer. Die Anlagentypen im Schweringhook sind bereits vermessen, doch auch für sie wird ein Sicherheitszuschlag eingerechnet. Störungen in der Anlage könne es natürlich immer geben. Meist komme dies aber eher bei älteren Anlangen vor. „Da sind die Betreiber aber die ersten, die das abstellen wollen, weil so etwas auch immer eine Leistungsminderung bedeutet“, erklärt Marcel Schwarte. In der Regel bemerkten die Anwohner dies sogar eher als die Betreiber. Ein Austausch sei dabei natürlich von beiderseitigem Interesse.

Im Mohringhook gelten noch höhere Sicherheitszuschläge als im Schweringhook. Dort sind die Anlagentypen noch nicht vermessen. „Deshalb wird versucht, alle Eventualitäten miteinzubeziehen“, berichtet Marcel Schwarte. Der Sicherheitszuschlag liege dort bei sechs Dezibel, also den Werten, die eigentlich der vierfachen Anlagenzahl entsprechen würden. Bedingt dadurch sei der bei der Berechnung zugrunde gelegte Schallpegel so hoch angesetzt, dass die Anlage im schallreduzierten Bereich laufen müssen. Dazu wird eine Sperre eingebaut, die die Leistung der Anlagen auf 1000 statt der möglichen 4200 Kilowatt begrenzt. Stelle sich bei einer späteren Messung heraus, dass die Werte deutlich niedriger sind als angenommen, haben die Betreiber die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen. Erst wenn der Kreis Steinfurt diesen genehmigt – inklusive eines Sicherheitszuschlages von 2,5 Dezibel – dürften die Windkraftanlagen auf Volllast laufen.

„Aber egal, was passiert: 45 Dezibel ist der Maximalwert, den die Anlage erreichen darf“, verspricht Marcel Schwarte. Und er ergänzt: „Wir sind nicht nur die Genehmigungsbehörde, sondern auch die Überwachungsbehörde.“ Und als solche habe der Kreis Steinfurt einen Prüfauftrag. Grundsätzlich gelte, dass es bei der Genehmigung nirgendwo mehr Sicherheit gebe als bei der Windenergie.

 

Thema "SCHATTENSCHLAG"

Der Schattenschlag ist bei Windkraftanlagen ein vieldiskutiertes Thema. Schließlich kann es auf Dauer sehr unangenehm sein, wenn die wandernden Schatten der Rotorblätter über das eigene Haus oder Grundstück streichen. Deshalb müssen auch für diesen Aspekt Gutachten erstellt werden.

Für die geplanten Anlagen im Mohringhook und Schweringhook gibt es aber Entwarnung. „Die Betreiber haben sich selbst verpflichtet, den Schattenschlag gegen Null zu minimieren“, berichtet Marcel Schwarte, Sachbearbeiter im Umweltund Planungsamt des Kreises Steinfurt. Dies gehe sogar über gesetzlichen Bestimmungen, wonach ein Schattenschlag von 30 Minuten pro Tag oder 30 Stunden im Jahr für zumutbar erachtet werden, hinaus.

In dem Gutachten sind für das Immissionsgebiet im Nahbereich alle Immissionsorte aufgeführt – im Mohringhook sind das 638 und im Schweringhook 818 Einzelhäuser. Die Windkraftanlagen werden mit einer Abschaltautomatik programmiert. Regelmäßig werden der Stand der Sonne, die Windrichtung und dadurch bedingt die Ausrichtung der Anlage überprüft. Stellt das Programm fest, dass ein Schattenschlag entsteht, wird die Anlage abgeschaltet. Dies, so erklärt Marcel Schwarte, können allerdings einige Minuten dauern. Sei der Schattenschlag nur kurzfristig, also besagte wenige Minuten, reagiere die Anlage nicht. „Dieser kurzfristige Schattenschlag wird meistens nicht als Belästigung empfunden“, erklärt der Experte das Prinzip.

Der Gesetzgeber spreche in diesem Zusammenhang übrigens ausdrücklich nicht von einer Gesundheitsgefährdung, sondern von einer Belästigung durch Schattenschlag. Ein Problem haben die Betreiber der Windkraftanlagen allerdings. Die Anlagen lassen sich jeweils auf maximal 300 Immissionsorte programmieren. Deshalb werden repräsentative Immissionsgebiete ausgewählt. „Wir lassen uns die Programmierung nachweisen und auch die Abschaltprotokolle zuschicken“, betont Marcel Schwarte. Sollten sich Anwohner durch Beschattungen belästigt fühlen, weil sie durch die vorab getroffene Auswahl nicht berücksichtigt wurden, sollten sich diese unverzüglich mit den Betreibern in Verbindung setzen. Die Abschaltautomatik könne, so die Auskunft der Geschäftsführer, kurzfristig angepasst werden.

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